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Ich mach’s anders!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Wenn in ich mal in England bin, fahre ich immer rechts. Rodeln? Natürlich bergauf. Und zu Fisch gibt es bei mir Rotwein.

Diese etwas ungewöhnlichen Praktiken stammen nicht, wie man vielleicht vermuten mag, aus einer grenzenlosen Antihaltung, bedingt durch eine turbulente Jugend im Deutschland der 70er-Jahre. Im Gegenteil, denn eigentlich bin ich vollkommen harmoniesüchtig, fragen Sie da mal meine Frau. Ich tue das alles aus Zwang. Beruflich bin ich dazu verdammt, ständig entgegen der Jahreszeit zu kochen. Weihnachtsplätzchen gibt es bei mir immer während der Sommerferien. Silvester feiere ich gerne auch mal im September und  Austern bereite ich meist in Monaten ohne “R” zu. Momentan gibt es bei mir Erdbeeren. Kleine, holzige, säuerliche Fruchtplacebos die hart und unerfreulich in Rhabarbergelee landen (der Saft (Nektar) des Rhabarbers schmeckt jedoch, der kommt aus der Flasche,) Oder im Salat mit braunen Pfirsichen. Es ist ein schweres Los, dass ich mit wenigen teile.

Aber es macht mich stutzig, dass ich diese Zutaten überhaupt im Oktober bekomme. Dass einer der Obsthöker auf meinem Wochenmarkt diese Dinge führt, ist für mich zwar ein Segen (“Erdbeeren? Haben wir auch zu Weihnachten.”) Doch eigentlich müsste man Händler wie diesen wie die Pest meiden. Haben Obstfachhändler nicht, ähnlich wie das dritte Programm, auch einen Bildungsauftrag? Sollten sie nicht all den unwissenden Konsumenten den Sinn und Nutzen des jahreszeit-bezogenen Einkaufs nahebringen? Können sie nicht, nicht nur der Bildung halber, einfach nur das führen was es jetzt, aus der Region, tatsächlich gibt,  statt peruanischen Spargel und kanarische “Erdbeeren”?

Erst wenn man gezwungen ist die Dinge außerhalb der Saison essen zu müssen, weiß man wie gut sie schmecken können wenn die Zeit dafür ist. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Quittenkauf.

Im Sommer hätte er geschmeckt.

Im Sommer hätte er geschmeckt.

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